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Teemo im Weltraum … Gewissermaßen

  • 24.04.2019

Im März 2018 hat sich Clemens Riegler, Master-Student für Satellitentechnik an der Universität Würzburg und selbsterklärter „bester Rammus in der westlichen Hemisphäre“, per Social Media mit folgender Nachricht an uns gewandt: „Die Frage klingt vielleicht seltsam, aber gibt es offizielle Astronauten-Teemo- oder Astronautilus-Sticker? …“.

Ungefähr ein Jahr später flog Astronauten-Teemo dann tatsächlich in den Weltraum! Nun ja, gewissermaßen … Unser teuflischer engelsgleicher kleiner Yordle schaffte es knapp 75 km in die Mesosphäre. Genau genommen ist das nur in der Nähe des Alls, nicht ganz das Weltall. Sag aber bitte Teemo nichts davon, dass er kein echter Astronaut ist. Zum Wohle aller ist es besser, wenn er glücklich ist.

Ein kleiner Schritt für Teemo

Es war mehr nötig als der 114. beste Rammus-Spieler in EUW, um einen Yordle ins All zu schießen. Tatsächlich war es ein Team aus 24 Studenten der Universität Würzburg und der TU Wien, von denen die Hälfte in deinem nächsten Spiel auftauchen könnten. Anscheinend kann man mit genug Meisterschaftspunkten auf Rammus Teemo von der Erdoberfläche verschwinden lassen.

Das im Sommer 2016 ins Leben gerufene Daedalus Project verfolgt das Ziel, einen Landemechanismus für die Raumfahrt zu entwickeln und bereitzustellen, mit dem aktive Komponenten oder Fallschirme überflüssig werden. Das geplante, stabilere Raumfahrzeug sollte besseres Manövrieren in turbulenten Atmosphären ermöglichen. Während das Team versuchte, Lösungen für sicherere und wiederverwendbare Landemechanismen für die Erde zu finden, träumte es aber auch von Raumfahrten zur Venus oder der Fähigkeit, atmosphärische Daten in Jupiters turbulentem Orbit zu sammeln. Das führte zur Entwicklung von „SpaceSeed“.

SpaceSeed
Der SpaceSeed
Der SpaceSeed

Nach dreijähriger Arbeit mit Prof. Dr. Hakan Kayal (Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der Universität Würzburg), Förderung durch Sponsoren aus ganz Europa und Genehmigung durch das Programm REXUS/BEXUS* sowie voller Unterstützung durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Swedish National Space Agency (SNSA) und somit auch durch die Europäische Weltraumorganisation hat das Team ein SpaceSeed-Trio entwickelt und deren Start mit einer Improved Orion-Rakete vorbereitet.

Wie genau passt jetzt Teemo zu alldem?

„Teemo ist eine durchaus charakteristische Figur in League of Legends“, erklärt Clemens. „Astronautilus wurde zwar auch in Betracht gezogen, allerdings waren wir der Meinung, dass Teemo das Rennen machen sollte. So gut wie jeder möchte ihn irgendwann mal zum Mond schießen, allerdings hat nicht jeder die nötigen Mittel dazu. Wir wollten für alle League-Spieler auf der ganzen Welt diesen Traum Wirklichkeit werden lassen.“ Jetzt mal Hand aufs Herz: Wir haben alle schon davon geträumt, diesen 0/6/0-ADC-Teemo aus unserer Aufstiegsserie zum Mond zu schießen.

Karte
Kiruna, Schweden
Kiruna, Schweden

Eine Woche, bevor Teemos letzte offizielle Stunde auf der Erde schlug, sind Clemens und seine Teammitglieder Alex Hartl, Eric Heimann, Tobias Neumann und Florian Kohmann nach Kiruna in Schweden geflogen, um dort in der European Space and Sounding Rocket Range (Esrange) ihre Rakete zu bauen und zu starten.

Rakete
Rakete - Clemens, Alex, Eric, Tobias und Florian mit Teemo.
Rakete

Zusammen mit Astrophysikern und Ingenieuren der Esrange haben die Mitglieder von Daedalus innerhalb einer Woche ihr Projekt umgesetzt, beginnend bei einem Haufen Teile hin zu einer voll funktionsfähigen Rakete. Sie machten sich auch das Hochgeschwindigkeitsinternet in der Basis zunutze und entspannten mit ein paar Spielen League.

Ein großer Schritt für die Yordle

Am 4. März 2019 sind Clemens, Alex, Eric, Tobias und Florian früh aufgewacht – allerdings haben sie zugegebenermaßen sowieso nicht viel geschlafen. Nach Jahren harter Arbeit war endlich der Moment gekommen, um ihr Experiment – und Teemo – in die Atmosphäre zu befördern.

Teemo Flugbahn

Eine Stunde vor jedem Raketenstart in der Esrange ist in ganz Kiruna ein Lärm zu vernehmen, der nur mit dem Horn von Gondor zu vergleichen ist. „Das Geräusch ist kraftvoll und erschreckend“, sagte Clemens. „Es ist so stark und laut, dass es kilometerweit zu hören ist. Es ist eine Warnung vor dem, was in Kürze abgeht …im wahrsten Sinne des Wortes.“

Um 9:50 Uhr MESZ war das gesamte Daedalus-Team – inklusive der Daheimgebliebenen – voll nervöser Erwartung und beobachtete gespannt, wie die Start-Checks abgeschlossen wurden und der Countdown begann.

Du kennst doch sicherlich diesen mordsmäßigen Countdown, der in Filmen immer vor den Raketenstarts abläuft. Nun, in der Realität ist es nicht anders. „Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so angespannt! Es war mein Countdown. Falsch, es war UNSER Countdown! Endlich! Nachdem ich es zig Mal in Filmen gesehen habe! Nach so viel Arbeit! UNSER Countdown wurde runtergezählt … Es ist ein wirklich einzigartiges Gefühl“, sagte Clemens.

„Das einzige, an das ich mich erinnern kann, ist, dass mein Herz wie wild geschlagen hat, mein Kopf aber total leer war. Es gab nichts mehr zu bedenken. Die Arbeit war erledigt. Es lag nicht mehr in unserer Hand.“ Bei T-0 übernahm das System die Kontrolle, der automatische Prozess aktivierte sich und das Daedalus-Team beobachtete mit großen Augen, wie sich Teemo und seine Rakete mit übermenschlicher Kraft in die Lüfte erhob.

Mit fünffacher Schallgeschwindigkeit erreichte die Rakete, und wahrscheinlich auch ihr zutiefst erschrockener blinder Passagier, in weniger als drei Minuten ihre maximale Höhe von ca. 75 km. Unten auf der Erde beobachtete das Daedalus-Team nervös den Ablauf ihres Experiments.

Teemo mit der Welt

Exakt 133, 143 und 153 Sekunden nach dem Start wurde erfolgreich jeweils eine der drei SpaceSeeds eingesetzt und Teemo blickte wie ein huldvoller Herrscher auf uns herab. Das Experiment war ein durchschlagender Erfolg.

Die von der Rakete abgekapselten SpaceSeeds reisten alleine auf die Erde zurück. Ihre Landung war „nominal“, sprich sie lief gut mit einer Geschwindigkeit von knapp 85 km/h. Das ist nicht wirklich eine sanfte Landung, aber die SpaceSeeds wurden für einen schnellen Wiedereintritt konstruiert. Die Rakete selbst landete an einem anderen Ort und das mit einer weitaus höheren Geschwindigkeit. Glücklicherweise konnte die Esrange-Crew die Rakete und alle Experimente bergen. Alle, bis auf einen bestimmten Yordle …

Wo ist Teemo denn nun?

Teemo

Eine … wirklich gute Frage. „Er hat sich sicherlich nicht in Rauch aufgelöst“, sagte Clemens lachend. „Wir haben aber absolut keine Ahnung, was mit ihm geschehen ist? Er ist einfach nur weg.“ Laut dem Daedalus-Team ist es nicht möglich, dass der Teemo-Sticker beim Wiedereintritt verbrannt ist, da das Material der Rakete nicht so heiß werden kann, dass sich Teemo entzündet. Das Team der Esrange hat zwar alle anderen Teile der Rakete geborgen, allerdings ist ihnen Teemo durchs Netz gegangen.

Es kann durchaus sein, dass er noch irgendwo durch die Atmosphäre schwebt und Pilze pflanzt, damit kommende Astronauten dann über diese stolpern können. Wenn du also irgendwelche Raumfahrten planst, empfehlen wir dir sehr, eine Orakellinse mitzubringen.

Astronaut Teemo

Wir bei Riot möchten uns alle bei sämtlichen Mitgliedern des Daedalus Project bedanken, dass sie Teemo dorthin geschickt haben, wo noch nie zuvor ein Yordle gewesen ist. Wir fühlen uns so dermaßen geehrt, dass Teemo Teil eines möglicherweise bahnbrechenden Raumfahrtexperiments sein durfte und freuen uns darauf, wohin auch immer ihr uns als Nächstes mitnehmt.

 

*Das Programm REXUS/BEXUS wird durch ein bilaterales Abkommen zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) und der Swedish National Space Agency (SNSA) realisiert. Der schwedische Anteil der Fördergelder wird durch eine Kollaboration mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) Studenten aus anderen europäischen Ländern bereitgestellt.